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  • Parzival: Kunstaktion ‚Beschlagung‘

    PARZIVAL – „20 Jahre Beschlagungen – Gruppenbeschlagung

    Samstag, 13. Oktober 2012, 16 Uhr, vor der ‚artclub-Galerie‘, Melchiorstraße 14, 50670 Köln

    Kunstaktion aus Anlass des 20jährigen Bestehens der Beschlagungen

    Es besteht die Möglichkeit zur aktiven Teilnahme an der Aktion.

    mehr Informationen: Beschlagungen - Hintergrund und Entstehungsgeschichte


    1992 besuchte ich 6 1/2 Wochen Rio de Janeiro, Brazil. Der Faszination des Landes und seiner Bewohner steht unglaubliches Elend und erschütternde Armut gegenüber. Das Stadtbild wird geprägt von unzähligen Bretterbuden, den Favelas. In ihnen leben die Ärmsten unter unvorstellbaren hygienischen und schier unmenschlichen Bedingungen. Es hat mich sehr berührt und nach einigen Tagen entstand die Idee zu den Beschlagungen. Die Werbung sollte regelrecht verbrettert werden um neue Wahrnehmungen zu erzeugen. Das Stadtbild unserer westlichen Metropolen wird geprägt von riesigen Traum-Bildern, die als “Werbeflächen” die Bewohner konditionieren und Wohlstand versprechen. Unser Wohlstand beruht aber auf der Armut und dem Elend dieser Menschen. In Rio entstand die Idee, Bretter auf Plakatflächen zu nageln, um auf diese Art einen Brückenschlag herzustellen. Zurück in Deutschland realisierte ich im Juni 1992 im Kunsthaus Tacheles in Berlin eine Hommage an die Favela-Bewohner und errichtete eine “One-Man-Favela”. Danach erfolgte die erste Beschlagung auf der Friedrichstrasse.

    Seit 1992 entstanden bislang über 200 Beschlagungen in Berlin, Köln, Kassel, Leipzig, Frankfurt, Bonn, Leverkusen, Mainz, Bergisch Gladbach und Düsseldorf. Beschlagungen  transformieren die beschlagenen Werbeflächen in temporäre Kunstobjekte, die in der Regel für 3 – 8 Tage zu sehen sind. In Einzelfällen waren sie aber auch schon bis zu acht Wochen zu sehen. In dieser Zeit werden sie – laut Angaben der Werbewirtschaft – von mindestens 50.000 Blicken pro Tag getroffen. Die Sehgewohnheiten werden irritiert, die Wahrnehmung verändert. Die Werbebotschaften selbst werden dabei unkenntlich gemacht, eine neue Aussage und ein neuer Kontext entsteht, eine Kunstbotschaft wird nun sichtbar und erlebbar.


    Beschlagungen sind illegal und nicht angemeldet, die Plakatfirmen wie die werbenden Firmen werden darüber nicht informiert. Öfters erfolgten Anzeigen, die aber  wieder eingestellt wurden.

    Parzival, Köln 2012

     

     

    Entwicklung und Wirkung der ‘Beschlagungen’ dokumentiert der Katalog

    ‘Plakat-Pirat: Beschlagungen 1992 – 2012′,  Köln 2012